Jet Set Nomade

Als Bruce Chatwin berühmt wurde, fragte man Elizabeth, seine Frau, nach seinen typischsten häuslichen Verhaltensmustern. Sie antwortete, die ständige Abwesenheit sei wohl das Typischste an ihm.
Er galt als der reisende Schriftsteller schlechthin. Er muss ein begnadeter Erzähler gewesen sein, der über ein enzyklopädisches Wissen verfügte, frei erfinden und improvisieren und bis zum Umfallen reden konnte.
Dieser ruhelose, gut aussehende, eitle, energiegeladene, wortgewandte und ewig jung gebliebene Bursche schien durch die Welt zu schwirren; ohne feste Bindung, ohne Wurzeln, fasziniert von allem Fremdartigen, ein Irrlicht, das sich bald da, bald dort zeigte. Weiterlesen

Randzonen des Vulkans

Ich hielt mich für ein paar Tage in Lissabon auf, bevor ich in den Norden Portugals reiste.
Am Rande des Bairo Alto, hoch über der Avenida da Liberdade, hatte ich eine Jazz-Bar entdeckt, in der Live-Musik gespielt wurde. Ich lernte da einen Typen kennen, der Wolf Wondratschek aufs Haar glich. Er sagte, er heiße Helmut Krause. Er sei Journalist und arbeite für LUI. Genau wie Wondratschek auch. Vielleicht mussten die Journis, die für LUI arbeiteten, alle wie Wondratschek aussehen, dachte ich. Wir sind dann auf Wondratschek zu reden gekommen. Er kannte ihn gut, sie wohnten beide in München. Im Schwabing-Viertel. Er bewunderte ihn sehr. Ich kannte nur die Reportagen-Sammlung Menschen, Orte, Fäuste. Helmut fand die Story über Max Schelling übertrieben, Schelling sei nie der geniale Boxer gewesen, als den ihn Wondratschek dargestellt habe. Weiterlesen

Der Leuchtturm

Olhaõ liegt ungefähr dreißig Kilometer westlich der Mündung des Guadinanas, dem Fluss, der im Süden Portugal von Spanien trennt. Eine weite, grau schimmernde Lagune schirmt das Städtchen gegen das offene Meer ab. Weit draußen im Haff steht der Leuchtturm. Am Rand des Städtchens gab es eine Fischfabrik. Manchmal war der Gestank so penetrant, dass es einem übel davon wurde.
Aufgrund einer Postkarte, die ich in einem Souvenirladen in Lissabon fand, stellte ich mir Olhaõ als maurisches Städtchen vor, leuchtend weiß, verschachtelt und verwinkelt, mit würfelförmigen Bauten, geheimnisvollen Treppen, Innenhöfen, Dachterrassen und runden Kaminen, die Minaretten gleichen.
Zu meiner Enttäuschung sah Olhaõ nicht besonders maurisch aus. Weiterlesen