Wir kamen an einem sonnigen Nachmittag nach Swansea.
Die Stadtmitte sah so aus, als hätte sie ihren Platz mit der Peripherie vertauscht: Reizlose Betonklötze, Shopping-Malls und ein Busparkplatz so groß wie ein Fußballfeld mit gelben Karos darauf.
Ich habe mir diese „windzerfahrene Stadt“ viel mehr von gestern vorgestellt, lange schattige Häuserzeilen aus dem 19. Jahrhundert, die sich den Hang hochwinden, altes Kopfsteinpflaster, dunkle Pubs und Läden, in denen Sachen angeboten werden, die anderenorts schon vor zwanzig Jahren aus den Regalen verschwunden sind.
Im 2. Weltkrieg war das Zentrum von den Deutschen zerbombt worden, in den neunziger Jahren folgte der Niedergang der Eisen- und Kohleindustrie. Damit war das Schicksal des Hafens besiegelt. Weiterlesen
Küsten
Die Küste entlang
„Wieder habe ich diese klare, lebhafte Empfindung von der Küste. Ein erster Ort. Die nackte Schönheit von allem.“
Kenneth White
Der schottische Schriftsteller und Reisende Kenneth White lebt seit vielen Jahren an der Côtes-du-Nord der Bretagne, also ungefähr in der Mitte zwischen den Hebriden und Portugal. Er ist ein kosmopoetischer Nomade, ein solitärer Wanderer, der eine Wind- und Wellen-Philosophie praktiziert. Was zählt, ist der Raum, der Weg, die Bewegung.
„Nennen sie mich Ismael, einen intellektuellen Nomaden.“ Weiterlesen
Cabourg – Balbec
Wer etwas erleben will, reist nicht nach Cabourg. Das einzige, was man hier tun kann, ist ausspannen, spazieren gehen und den Trabrennern oder den Surfern zuschauen. Die einen treiben ihre Pferde durch die auslaufende Brandung, die anderen versuchen sich weiter draussen auf den Wellen zu halten. Ausser dem endlosen Strand und der vier Kilometer langen Promenade hat der Ort nicht viel zu bieten. Wäre da nicht das Grand Hotel und hätte Marcel Proust hier nicht seine Sommerurlaube verbracht, ich wäre wohl nie auf die Idee gekommen, in das alte Seebad an der normannischen Küste zu reisen. Jede Reise ist eine Entzauberung. Weiterlesen