Es war früh am Morgen, als der Nachtzug aus Basel an der Gare de l’Est eintraf. Ich war müde und hellwach zugleich, als ich auf den Platz vor dem Bahnhof trat. Verrückt dachte ich, ich bin in Paris, verrückt. Ich betrachtete die hohen Häuser aus hellem Sandstein und die schmalen schmiedeisernen Balkons, die an den Fassaden klebten. Ich sah den Boulevard de Strasbourg, eine lange abwärtsgehende Gerade. Ich ging ins 9. Arrondissement, man hatte mir das Hotel du Nord an der Rue Faubourg Poissonnière empfohlen. Die Straßen lagen noch im Schatten, einzig die Hausdächer wurden von der Morgensonne vergoldet. Wasser strömte den Rinnstein hinunter, Sandsäcke kanalisierten es in die Schächte. Weiterlesen
Autor: Daniel Luchs
Neue Schuhe

Heute habe ich mir ein Paar neue Schuhe gekauft und sie mitten ins Wohnzimmer gestellt. Halbhohe Stiefeletten zum Schnüren, aus weichem braunem Leder, das wie zerknittert aussieht, glänzende Spitzen, rahmengenäht. Wunderbare Schuhe. Ganz nach meinem Geschmack. Die Schuhe, so mitten im Wohnzimmer, haben wie ein Gedicht ausgesehen, ein Gedicht von Gottfried Benn oder Rainer Maria Rilke. Wobei Rilke Knöpfstiefel getragen haben muss, worum ich ihn beneide. Auf dem Heimweg war mir klar geworden, dass es auch anders ginge. Weiterlesen
Bücherdandy
Mit fünfzehn verließ ich die Schule. Acht Jahre habe ich es da ausgehalten. Ich war ein Halbstarker und mochte die Beatles. Ich mochte ihre laute, freche Musik, den unbekümmerten Leichtsinn mit dem sie die Dinge anpackten, ihre Frisuren, die Kleider. Sie standen für einen neuen Lebensstil. John Lennon und der Sioux-Indianer Crazy Horse waren meine Idole.
Der eine, weil er der ganzen Welt seinen nackten Hintern gezeigt hat und der andere, weil er sich geweigert hat, das freie Umherstreifen auf den Plains zugunsten eines sesshaften Daseins in der Welt der Weissen aufzugeben. Weiterlesen
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