Ein russischer Wanderer

Unruhige Jugend von Konstantin Paustowskij entdeckte ich mit neunzehn Jahren in einer Buchhandlung in Luzern.
Der Titel gefiel mir. Er entsprach meiner eigenen Situation. Ich schlug das Buch auf, las die erste Seite und wusste auf Anhieb, der Klang dieser fließenden, herbstfarbigen Prosa würde mich von einer Seite zur nächsten tragen. Es geht um einen träumerischen und romantisch veranlagten jungen Mann, der von Büchern und Versen lebt und sich der Ungebundenheit und dem Unterwegssein verpflichtet fühlt. Er liebt die Natur und ist voller Neugier auf die Welt. Und er will Schriftsteller werden. Wanderer und Schriftsteller. Die Mutter fürchtet, dass nie etwas Rechtes aus ihm würde. Doch eine Wahrsagerin in Jefremow,
einer Kleinstadt fernab von Moskau, prophezeit ihm eine schöne Zukunft. Er sei unter einem guten Stern geboren.
Unruhige Jugend beginnt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und endet mit der Februarrevolution von 1917. Es ist der zweite Teil seiner Autobiographie Erzählungen vom Leben. Die sechs Bände umfassen ungefähr das erste Viertel des 20. Jahrhunderts, sie enden mit Lenins Tod 1924, geschrieben wurden sie zwischen 1945 und 1962.
Ich las das Buch vier oder fünf Mal hintereinander, ich war süchtig danach. Mir gefiel die lebendige, bildhafte Sprache, die unglaubliche Lebenserfahrung des Autors, sein phänomenales Gedächtnis.
Obwohl viel von Kriegsgräueln, Elend, Tod und der Not flüchtender Menschen die Rede ist, hat das Buch etwas Leichtes und Heiteres. Es sind die romantischen Gefühle und Sehnsüchte, die es so leicht machen. Die Sehnsucht nach dem Schlichten und Reinen; der Reinheit des Augenblicks, der Liebe, der Natur. Es waren mehr als Erinnerungen, was ich zu lesen bekam, mehr als einfach ein Text, es war ein Leitfaden der Lebenskunst.

Konstantin Paustowskij wurde am 31. Mai 1892 in Moskau geboren, Kindheit und Jugend verbachte er in der offenen und südlichen Atmosphäre von Kiew, wo der Sommer lange anhält. Der Vater stammte von den Kosaken ab und war Eisenbahnstatistiker von Beruf, die Mutter kam aus dem polnischen Mittelstand. Der Vater war trotz dem nüchternen Beruf ein „unverbesserlicher Träumer und Rebell“, der in den Augen der türkischen Großmutter kein Recht auf Frau und Kinder hatte. Die Sommerferien verbrachte Konstantin bei den Großeltern auf dem Lande oder am Schwarzen Meer. Als Heilmittel gegen Schüchternheit und Ängstlichkeit schickte der Vater den zehnjährigen Buben ganz allein auf eine Reise zu Verwandten in Briansk im Norden der Ukraine. Die polnische Großmutter nahm ihn mit nach Czenstochawa, einem Wallfahrtsort in Polen. Nach der Mitternachtsmesse knieten die Gläubigen in einen gewölbeähnlichen Gang in einer langen Reihe nieder, um den Saum der purpurroten Soutane des päpstlichen Nuntius zu küssen, der an ihnen vorüberschritt; Konstantin weigerte sich, das zu tun, er empfand es als Erniedrigung.
Als er dreizehn Jahre alt war, zerbrach die Familie. Die Mutter zog mit den Geschwistern nach Moskau, Konstantin blieb bei der polnischen Großmutter in Kiew. Jetzt musste er sein Leben mit Nachhilfestunden selber verdienen. Mit neunzehn Jahren veröffentliche er seine erste Geschichte: Auf dem Wasser. Sie handelt von einer Schifffahrt auf einem nicht näher bezeichneten Fluss und der Stimmung, in der sich der junge Erzähler auf der Fahrt befindet. In dieser Geschichte ist alles da, was den späteren Paustowskij ausmachen wird: Das Reisen, die romantischen, naturverbundenen Gefühle, die Sehnsucht nach dem Unbestimmten, der räumliche Topos und seine Liebe zum einfachen russischen Volk.
Nach Abschluss des Gymnasiums fing Paustowskij in Kiew zu studieren an, doch beim Ausbruch des Krieges zog er nach Moskau zu Mutter und Schwester. Als jüngster Sohn und Student wurde er nicht zum Kriegsdienst eingezogen. Der Vater war kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges gestorben, die älteren Brüder an der Front. Er fand Arbeit als Schaffner bei der Moskauer Straßenbahn. Dann meldete er sich freiwillig als Sanitäter bei Verwundetentransporten. Mit der Eisenbahn wurden die Verletzten von der Front in Weißrussland und Polen geholt und im Landesinneren ins Lazarett gebracht. Er verliebte sich in Lolja, eine Krankenschwester, die mit ihm zusammenarbeitete. Sie steckte sich mit Pocken an und starb kurz darauf. Aus einem Fetzen Zeitungspapier, in das ein Stück Käse eingewickelt war, erfuhr er, dass beide Brüder am gleichen Tag an der Front gefallen waren. Er wurde verwundet, kehrte nach Moskau zurück, um die Mutter und seine fast erblindete Schwester zu unterstützen, hielt es aber in der bedrückend engen Wohnung nicht aus. Er ging nach Kursk, wo er als Granatenprüfer arbeitete, dann in einer Kesselschmiede in Tagarong und als Gehilfe eines Fischers am Asowschen Meer.
In Moskau geriet er in den Wirbelsturm der Februar- und Oktoberrevolution von 1917. Um ein Haar wäre er von den Rotarmisten standrechtlich erschossen worden.
Obwohl er sich zu den Ideen der Oktoberrevolution bekannte, wird man bei der Lektüre von Beginn eines unbekannten Zeitalters, dem dritten Teil der Autobiographie, das Gefühl nicht los, dass ihm die Politik mit ihren blutigen Exzessen zutiefst zuwider war, oft versteckte sich hinter den Idealen nichts als Machtgier, Willkür, Terror und brutale Gewalt. Trotz der Grausamkeit und der Brutalität, deren er in seinem Leben oft Zeuge wurde, glaubte Paustowskij paradoxerweise an das Gute im Menschen.
Als er sich nach Kiew durchschlug, um Mutter und Schwester zu besuchen, die mittlerweile auf einem kleinen Gut in der Nähe von Tschernobyl lebten, geriet er in der ukrainischen Hauptstadt in die kriegerischen Konflikte zwischen Nationalisten, Weißgardisten und Rotarmisten. Er wurde zuerst von den Nationalisten, dann von den Weißgardisten zwangsrekrutiert und an die Front geschickt, konnte desertieren und floh nach Odessa, das von Kosaken und der Denikilarmee besetzt war, aber kurz nach seiner Ankunft von der Roten Armee überrannt wurde.
In Odessa fand er Obdach in einer verlassenen Nervenheilanstalt und Arbeit als Korrektor bei einer kleinen Zeitschrift. Die letzten Dampfer verließen Odessa Richtung Konstantinopel, hoffnungslos überfüllt mit Flüchtlingen. Unter ihnen auch der von ihm bewunderte Schriftsteller Iwan Bunin. Er erlebte die Seeblockade durch die Westmächte, den eisigen Hungerwinter von 1920, in dem das Hafenbecken zufror und die ökonomische Versorgung zusammenbrach; es fehlte an Nahrung, Heizmaterial und Kleidung, am Elementaren überhaupt.
Die Zeit der großen Erwartungen, so heißt der vierte Band, war eine Zeit des Hungerns und des Frierens. Paustowskij wurde Journalist bei der Matrosenzeitung Morjak. Journalisten, Seeleute und Schriftsteller verwandelten die Redaktionsräume in einen lärmigen Debattierclub.
Er lernte Isaak Babel kennen. Babel war damals schon berühmt. Er hatte einige Geschichten in wichtigen Zeitschriften veröffentlicht.
„Nach der Erzählung Der König wurde mir klar, dass wieder ein neuer Zauberer in unsere Literatur getreten war“, schreibt Paustowskij über Babel. Sie wurden Freunde. Spazierten zusammen dem kilometerlangen Strand entlang, ließen flache Steine übers Wasser hüpfen und debattierten über Literatur.
In Sprung nach dem Süden, Band fünf, reist der junge Journalist mit der Revolution in den Kaukasus. Dort herrschte ein vollkommenes Durcheinander von Altem und Neuem. Anstelle des sowjetischen Geldes war das türkische Pfund im Umlauf. In Suchum wurde er Zeuge der Blutrache und wie die Bauern dem Fürsten Schewarschidse noch Lehensgaben ablieferten, obwohl die Leibeigenschaft längstens abgeschafft war. In Batum, der Stadt der Geräusche, Gerüche und dem ewigem Regen, gründete er eine kleine Matrosenzeitung. Er reiste ins schwerelose Tiflis, wo er sich unglücklich verliebte. Als Reporter begleitete er ein paar Ingenieure nach Armenien und an die persische Grenze.
Mit der Rückkehr nach Moskau, im Herbst 1923, beginnt der sechste Band: Buch der Wanderungen. Der Winter war eisig. Paustowskijs Situation so prekär, dass es kaum fürs Notwendigste reichte. Schon gar nicht für Zigaretten. Den Bahngeleisen entlang sammelte er Zigarettenstummel auf, die Reisende aus dem Zugfenster geworfen hatten, schnitt die verbrannte Stelle ab und vermischte die Tabakresten, um daraus neue Zigaretten zu drehen.
Für die staatliche Nachrichtenagentur ROSTA ging er in den Ural, um eine Reihe von Industriereportagen abzufassen.
Er gab den Reporterberuf auf und wurde Schriftsteller. In den düsteren Jahren zwischen 1935 und 1953, der Zeit der Verhaftungen, Deportationen und Liquidationen, der Angst und des Opportunismus, in der viele Autoren Opfer des stalinistischen Terrors wurden, reiste Paustowskij mehr denn je. In seinen Büchern konzentrierte er sich auf unverfängliche Stimmungs- und Landschaftsbilder und auf Künstlerporträts, aber allzu sicher konnte er sich trotzdem nicht fühlen.
In der „Tauwetter-Literatur“ nach Stalins Tod spielte Konstantin Paustowskij eine wichtige Rolle. Er setzte sich dafür ein, dass die Werke von Isaak Babel und anderen frühsowjetischen Autoren, die Opfer von Stalin geworden waren, wieder erscheinen konnten, und er solidarisierte sich mit Alexander Solschenizyn und Boris Pasternak.

Konstantin Paustowskij gehört zu den Autoren, die sich durch den Zauber der Ferne verführen lassen, den Geheimnissen, die man in der Fremde vermutet, den Überraschungen und Unwägbarkeiten unbekannter Landstriche und Küsten. Kein anderer sowjetischer Autor war so ruhelos wie er, keiner hatte mehr Städte und Landstriche Russlands durchstreift als er. Von der subarktischen Halbinsel Kola am Weißen Meer bis hinunter in die transkaukasischen Grenzgebiete. Er war in Moskau ebenso zu Hause wie in den riesigen Wäldern der Meschtschora. Bereits als Student spürte er den „Atem der Ferne und der weiten Räume“, er wollte in ständigem Wechsel leben, immer an neuen Orten und immer unter anderen Menschen. In seinem ruhelosen Leben ist er vielen Menschen begegnet und hat sich wieder von ihnen getrennt, sich im Klaren darüber, dass er sie nie mehr sehen wird. Als er schon älter war, erhielt er die Erlaubnis nach Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn zu reisen; er besuchte Italien, Frankreich und England.
„Die Poesie der Wanderschaft, verschmolzen mit der ungeschminkten Wirklichkeit, ergab für mich die beste Legierung, aus der ich Bücher erschaffen konnte. Fast in jeder Novelle, in jeder Erzählung von mir sind die Spuren der Wanderschaft zu sehen“, schreibt er in einer kurzen autobiographischen Notiz.
Den Stoff für seine zweite Erzählung Etiketten für Kolonialwaren, die 1925 veröffentlicht wurde, vierzehn Jahre nach Auf dem Wasser, hatte er aus Batum mitgebracht, einer Hafenstadt am Schwarzen Meer, wo er sich gerne aufhielt. Es ist die Geschichte eines jüdischen Graveurs, der ob der Lektüre alter Reiseberichte und der Sehnsucht nach fernen Horizonten seinen Alltag vollkommen vernachlässigte, er bemerkte die Herzkrankheit seiner Frau erst, als sie im Sterben lag.
Für die Buchreihe Geschichte der Fabriken und Betriebe, die Maxim Gorki herausgab, reiste Paustowskij im Winter 1930 ins karelische Petrosawodsk. Dort schrieb er die Erzählung Charles Loncevilles Schicksal. Der französische Ingenieur war beim Rückzug der napoleonischen Armee vor Moskau gefangen genommen und in die Onega-Geschützgießerei von Petrosawodsk deportiert worden.
In Liwny, einem kleinen Ort in der Nähe von Rjazan, wohin Paustowskij sich gerne zurückzog, um in Ruhe schreiben zu können, lernte er einen Geologen kennen, der einer der ersten gewesen war, der die öde Bucht des Kara-Bugas auf der turkmenischen Seite des Kaspischen Meeres erforscht hatte. Das Wasser hat dort einen so hohen Gehalt an Natriumsulfat, dass sich an den Wänden der Schiffe eine dicke Schicht Salzkristalle bildet, wenn sie in die Bucht fahren. Die Fotos und die Geschichten des Geologen weckten Paustowskijs Neugier. Er wollte das Geheimnis des Kara-Bugas erforschen und ein Buch darüber schreiben. Als er das Projekt seinem Verleger vorstellte, in der Hoffnung, einen Vorschuss zu erhalten, lehnte der entrüstet ab. Ein Buch über Abführsalz! Das sei eine Verspottung des Volkes und der Sowjetmacht. Trotzdem gelang es Paustowskij, zum Kara-Bugas zu kommen. Hitze und Staub an der turkmenischen Küste waren derart drückend, dass er sich ständig nach den schattigen Wäldern und den kühlen Flüssen Russlands sehnte.
Nachdem das Buch über den Kara-Bugas erschienen war, reiste er wieder nach Poti am Schwarzen Meer, um ein Buch über die Trockenlegung des sumpfigen Flussdeltas des Rionis zu schreiben.

Um wirklich schreiben zu können, so Paustowskij, müsse man die Welt zuerst einmal mit all seinen Sinnen wahrnehmen, erst die wirkliche Wahrnehmung erlaube eine lebendige Sprache. Er hat das Leben mit seinen ganzen Sinnen aufgesogen. Licht, Farben, Geräusche und Gerüche bestimmen den Rhythmus seiner Prosa. Er hatte ein offenes Auge, auch für die kleinen, unscheinbaren Dinge, die für andere bedeutungslos waren, die sich aber im Nachhinein als die eigentlich wichtigen Dinge herausstellten.
Die Erzählungen vom Leben werden von zahlreichen Düften und Gerüchen durchweht. Paustowskij hatte eine unglaublich feine Nase. Er wusste, welche Dinge wie riechen und er erinnerte sich genau, wann und wo er einen bestimmten Geruch wahrgenommen hatte. Wie bei Marcel Proust lösten die Düfte auch bei ihm Erinnerungen an längst Vergessenes und Verlorenes aus. Nach der Lektüre weiß man wie Russland riecht, anhand seiner Bücher könnte man eine olfaktorische Landkarte erstellen.

Poesie war für ihn eine Frage der Windrichtungen, meteorologischen Verhältnissen und topographischer Genauigkeit. Er hatte ein unglaublich präzises Gefühl für räumliche Gegebenheiten. Als Kind fand er Stadtpläne und Landkarten so aufregend wie ein spannendes Buch. Er spazierte auf einer Landkarte herum und stellte sich in der Phantasie die verschiedenen Gebiete vor. Das half ihm später, sich rasch an einem unbekannten Ort zurechtzufinden. In Geographie, seinem Lieblingsfach, schloss er das Gymnasium mit Bestnoten ab. Als Semjon Gecht, ein befreundeter Schriftsteller, zu ihm sagte, seine Erzählungen seien eigentlich Geschichten der Geographie, ärgerte ihn diese Bemerkung, als er darüber nachdachte, musste er Gecht recht geben.
Paustowskij hat nie über Menschen außerhalb ihrer geographischen Umgebung geschrieben. Literarische Figuren von ihrer Umwelt losgelöst, erschienen ihm wie Pappfiguren oder Versuchsanordnungen, aber nicht wie lebendige Menschen.
Er war ein vortrefflicher Schilderer der russischen Natur. Mit knappen sparsamen Worten versteht er es, ganze Landschaften zu erschaffen. Erst in der engen Verbindung mit der Natur sei der Mensch ein ganzes Wesen, ohne sie könne der Mensch „nicht im vollen Maß seiner Kräfte tätig sein“. Schon als Kind begeisterte er sich für die Natur. Blumen waren für ihn wie menschliche Wesen. Sein ganzes Leben lang suchte er nach verborgenen Gebieten, sie boten ihm Abgeschiedenheit, Einsamkeit und Stille. In ihnen erlebte er Momente der Sorglosigkeit und Unbeschwertheit, die eigentlichen Voraussetzungen für das Glück. Während der Oktoberrevolution trieb es diesen Träumer und scheuen Einzelgänger immer wieder fort vom Lärm des Aufstandes, in die stillen vergessenen Vororte von Moskau, zu den schlammigen Teichen und den alten Linden. Oft ist die Natur die eigentliche Heldin in seinen Geschichten. Seine Beschreibungen von Gewittern und Stürmen sind pure Abenteuergeschichten.

Paustowskij ist ein Meister der kurzen Prosaform. Die sechs Bände Erzählungen vom Leben bestehen aus Geschichten, Episoden und Betrachtungen. Er pflegte ein ursprüngliches Erzählen, weder einem Konzept noch einem Plan verpflichtet. Ein solches Erzählen kann immer weiter gehen, sein Charme liegt in seinem sich dahin schlängelnden Rhythmus, in der Klarheit und Tiefe der jeweiligen Situation. Die Handlung entfaltet sich aus der Beschreibung. Dialoge haben für den Lauf einer Geschichte nur geringe Bedeutung, sie sind Teil des betrachtenden Erzählens. Die Sprache ist von einer ausnehmenden Plastizität und bildhaften Schärfe. Sie blieb unberührt von den literarischen Experimenten der 1920er Jahre. Paustowskij war vielmehr Impressionist.
Mit seinen Reise- und Naturschilderungen entzog sich Paustowskij Stalins Druck auf die Literatur. Er hat seine an Puschkin, Lermontov und Tschechow geschulten Ideale der Poesie nie verraten. Keine Hymnen auf den Diktator verfasst. Aber auch keine antisowjetische Literatur geschrieben. Wenn es bei ihm eine Anpassung an die Forderungen des sozialistischen Realismus gab, so ist sie im höchsten Fall im Binnengewebe seiner Texte zu finden: „Der Sache des Volkes dienen“, ist eine Redewendung, der man mehrmals in seiner Autobiographie begegnet.
Durch seine Liebe zu Russland und dem einfachen Volk, seinem stark entwickelten Gespür für Verlogenheit und Arroganz und seinem feinen Gefühl für alles, was Menschen mit Phantasie, Schöpferkraft und gemeinsamer Lebenspraxis hervorzubringen vermögen, wurde er zu einem der populärsten Schriftsteller in der Zeit nach Stalin.

Konstantin Paustowskij starb am 14.7.1968 in Moskau.